#01 – Melanie Helms: „Was willst du hier?“ – Ankommen, Verantwortung und das Leben auf Borkum

Shownotes

In dieser Folge sprechen wir über:

🌊 Das Ankommen auf Borkum

🏝️ Leben und Arbeiten auf einer Nordseeinsel

🏛️ Verantwortung als stellvertretende Bürgermeisterin

❤️ Ehrenamt und gesellschaftliches Engagement

👥 Den Menschen hinter einer öffentlichen Rolle

💭 Persönliche Herausforderungen und Zukunftspläne

Transkript anzeigen

00:00:05: Moin und herzlich willkommen bei teen, dem Podcast von den Inseln.

00:00:09: Ich bin Sven und spreche mit Menschen die die Inselen bewegen über ihren Alltag ihre Geschichten und das was sie antreibt.

00:00:17: Heute zu Gast ist Melanie Helms.

00:00:19: Viele kennen Sie als stellvertretende Bürgermeisterin und Kommunalpolitikerinnen auf Borkum.

00:00:24: Doch heute geht es nicht nur um Politik sondern vor allem um den Menschen hinter dem Amt.

00:00:29: Wir sprechen über das Ankommen der Insel Über Verantwortung Persönliche Projekte und über einen Satz, der unsere ersten Folge den Titel gegeben hat.

00:00:38: Was willst du hier?

00:00:40: Also Füße in den Sand die Nase in dem Wind Und die Kopfhörer auf die Ohren.

00:00:44: Schön dass Du dabei bist.

00:00:46: Viel Spaß bei Tiden.

00:00:47: Los geht's!

00:00:50: Moin Melli

00:00:51: Moin Sven

00:00:52: Schön dass du da bist.

00:00:54: Wir haben uns heute oder du hast dir das G-Skull ausgesucht Auf Borkum eine bekannte Lokalität an der Hauptpromenade.

00:01:02: Deswegen wenn es im Hintergrund mal Clubbot oder Schöpertier wird halt gearbeitet.

00:01:08: Fragendlich, ist das ein Herzensort für dich hier?

00:01:11: Es gibt ja viele schöne Orte auf der Insel.

00:01:14: Aber ich habe in dem Geske viele schöne Momente und Erinnerungen.

00:01:21: Und ich liebe es hier zu sitzen, aufs Meer zu gucken oder auch mal die Nacht durchzutanzen.

00:01:29: Ja, ich würde sagen, das ist eines der gastronomischen Orte hier ... einfach auch so ein Seelenort sind.

00:01:36: Ein Seelenord?

00:01:37: Ja!

00:01:38: Es gibt auch andere, verschiedene Milchbuden oder andere gastronomischen Orte die genauso wertvoll für die Insel sind.

00:01:47: aber ich liebe eben ist gerade eben auch mit dem Blick auf das Meer.

00:01:51: Die Musik im Musikpavillon hat schon besondere Momente.

00:01:58: Was würdest du denn sagen was ist dann ein Herzensort?

00:02:01: Ein Herzensort ist, wo ich mich zu Hause fühle.

00:02:04: Also ich hab das Gefühl ... Ich sitze in meinem Wohnzimmer oder in meinem Garten und ich fühl mich willkommen.

00:02:13: Und es ist eben ein Ort, wo... Wo ich mich nicht fremd fühle und Wärme spüre.

00:02:20: Ja?

00:02:20: Und die spürst du hier?

00:02:21: Ja!

00:02:22: Schön.

00:02:22: Woran liegt das?

00:02:23: Liegt das mehr an den Menschen?

00:02:24: Wie sagt ihr's ja auch?

00:02:27: diese Ausblick aufs Meer, die Musik dazu.

00:02:30: Die schöne Nächte, die man hier verbringt.

00:02:32: und ist das nur das?

00:02:34: oder sind es auch die Menschen?

00:02:36: Natürlich!

00:02:36: Die Menschen, die hier arbeiten aber auch die menschen, die herkommen und sowieso.

00:02:43: was ganz besonderes glaube ich an dieser Insel ist dass sich jung und alt mischt.

00:02:47: Ich gehöre ja nun schon länger nicht mehr zur der jungen Generation Aber man hat nie das Gefühl, dass man stört.

00:02:54: Und das kenne ich vom Festland zum Teil anders, wo sich das alles ein bisschen mehr nach Alter trennt und hier sitzt der Achtzig-Jährige neben der Achzehnjährigen und alle haben ihren Spaß.

00:03:09: Das ist auch etwas was mir gefällt aber was dir an den meisten Plätzen der Insel so begegnet.

00:03:15: Was ich eben auch am Inselleben schätze

00:03:18: Das ist dann die Wärme, die den Menschen gegenseitig auch geben.

00:03:21: Genau richtig!

00:03:22: Die wir oder du ja auch brauchst im langen Winter?

00:03:26: Ja genau ich liebe den Publikum Sommer wo sich eben viele Gäste unter uns mischen aber ich liebe natürlich auch die Feiern- oder Gelegenheiten wo wir unter uns sind.

00:03:39: das hat dann nochmal ein ganz anderen Spirit aber es sind immer Gästen dazwischen und Das gehört zur Insel dazu und ich liebe es, immer mal wieder Menschen kennenzulernen.

00:03:52: Und das geht eben hier auf der Insel und an einer Promenade besonders leicht.

00:03:59: Du hast mir ... Wir hatten ein kleines Vorgespräch und da hast du mir einen Satz gesagt.

00:04:03: Der ist irgendwie so ein bisschen hängen geblieben.

00:04:05: Der Satz war was willst du hier?

00:04:09: Das ist eine kleine Geschichte.

00:04:10: Ich finde die unglaublich spannend, was war das für

00:04:12: ein Satz?

00:04:12: Ja ich bin vor gut zwanzig Jahren in die Politik eingestiegen und relativ schnell auch in den Stadtrat gerutscht mit der SPD damals noch mit wenigen Stimmen weil mich viele da ja noch gar nicht so oft im Schirm in der Politik hatten über die Liste reingekommen Ein älteres Ratsmitglied, der schon lange nicht mehr aktiv ist.

00:04:38: Ähm ... Zwar mit einem Lächeln aber stellt dann die Frage was willst du denn hier?

00:04:44: Du kommst nicht von hier und noch eine Frau.

00:04:48: Das ist ein Satz, der einfach hängen geblieben ist!

00:04:50: Was hat er in dir ausgelöst in dem Moment, weißt du das noch?

00:04:55: Ähm ja trotz auch.

00:04:57: Und ich hab gesagt naja genau aus dem Grund, was du da gesagt hast deswegen bin ich hier.

00:05:03: Würdest du auch sagen, dass dich so ein Satz stärker gemacht hat?

00:05:07: Ja auf jeden Fall.

00:05:08: Es hat mich bestärkt in dem was ich tue.

00:05:11: Okay und wie hast du damals geantwortet?

00:05:13: weißt du das noch?

00:05:14: Ja genau eben was ich gerade sagte indem ich ihm gesagt habe ja genau deswegen bin ich da Genau aus den Gründen die Du gesagt hast.

00:05:22: Und würdest du heute anders reagieren?

00:05:25: wenn dich heute jemand fragen würde der nicht weiß dass du beispielsweise bist du schon länger auf der Insel und er kommt hierher Wahlen hier dann und du bist, soweit ich das gesehen habe auch wieder oder lässt sich wieder aufgestellt.

00:05:40: Und jetzt würde jemand auf die Insel kommen, würde dich den gleichen Satz heute wieder fragen?

00:05:45: Ich glaube den gleichen Satz würde ich gar nicht so wahrnehmen weil ich mich inzwischen als Borkumerin sehe und von vielen, von dem meisten Menschen auch so gesehen werde und akzeptiert werde.

00:05:57: Es gibt jüngere Borkumberinnen gar nicht wissen, dass ich vom Festland eigentlich komme.

00:06:05: Die mich eben als Insulanerin sehen.

00:06:11: also für viele ist das gar nicht so heute mehr auf den Schirm.

00:06:14: und ich weiß auch, dass sich bei vielen älteren die es vielleicht in der Anfangzeit ein bisschen kritisch gesehen haben Akzeptanz habe und auch Respekt bekommen für das was ich tue Und das ist natürlich ein sehr schönes Gefühl.

00:06:29: Aber was würdest du sagen, wann isst man denn Borkummerin?

00:06:31: Oder wann wird man dann so wahrgenommen?

00:06:34: Ich glaube dass es total unterschiedlich ist und irgendwann werden wir glaub ich auch diese Diskussion gar nicht mehr haben.

00:06:41: Ich hab das Gefühl, dass bei den jüngeren Menschen und auch bei vielen die in meinem Alter sind inzwischen eher der Gedanke ist naja wer sich für die Insel einsetzt, die Inselliebt Facetten wahrnimmt, der gehört eben auch dazu.

00:06:58: Ähm ... das war vor ... vor vierunddreißig Jahren, als ich auf die Insel gekommen bin, stringenter getrennt.

00:07:05: Also da wurde eben noch sehr ... also Ich Bin Borkumma Du bist Insulaner und das wird auch nie anders.

00:07:14: Das würde ich sagen ist heute nicht mehr so intensiv.

00:07:17: Die Zeiten haben sich geändert.

00:07:19: Aber würdest du sagen dass man sich das in Anführungsstrichen verdienen muss?

00:07:24: Oder ist das oder früher verdienen musste, als du hergekommen bist?

00:07:27: Ich glaube es schon ein bisschen so.

00:07:31: Dass man sich den Respekt und das Vertrauen ein bisschen erarbeiten muss dazu zugehören.

00:07:38: Wenn man als ganz junger Mensch kommt dann ist das noch mal was anderes.

00:07:41: wenn Du als Kind hierher kommst Und in die Vereine gehst und das Leben mitlebst Dann bist Du schnell einer von allen Als erwachsener Mensch, der neu auf die Insel kommt.

00:07:56: und wenn du dann keine Hobbys hast und in Vereine gehst ist der Weg oft ein bisschen länger.

00:08:03: Und da noch mal genau nachgefragt?

00:08:07: Weil man hat ja so'n oft das Gefühl, wenn man jetzt von außen in Anwaltstrichen hier reinkommt, dass man schon der eine vielleicht mehr oder andere weniger zu einem Bissen dafür auch kämpft an ... dass man wahrgenommen wird oder auch als jemand, der vielleicht nicht den Zeigefinger hebt.

00:08:26: Ich glaub das wird ungern gesehen und das kann ich auch verstehen.

00:08:29: Weiß nicht wie du es siehst?

00:08:30: Ich glaube, dass das ein Punkt ist, der in allen dörflichen Strukturen eine Rolle spielt.

00:08:36: Das ist in Tothmos oder in einem Dorf in Bayern also kleine Orte die irgendwo im Wald oder an einem Berg liegen ... eine eingeschworene Gemeinschaft hat.

00:08:49: Man muss eingeschoren sein, man bekommt wenig Hilfe und Unterstützung von außen und dadurch hat man einen sehr festen Kern und man beäugt dann erstmal den anderen.

00:09:03: erst mal abwarten, wie diese Person sich so darstellt.

00:09:06: Und dann lassen wir das mal langsam in unserem Kreis rein.

00:09:10: Ich glaube, dass es auch zum Teil ein normales menschliches Verhalten ... In dörflichen Strukturen ist und Borkum im Prinzip, wenn die Gäste nicht da sind, auch ein Dorf!

00:09:21: Ja, auch schon von der Größe.

00:09:22: Ein

00:09:22: wunderschönes Aber-ein-Dorf.

00:09:24: Aber du sagst grade keine Hilfe von außen?

00:09:26: Nimmst du das als Melli?

00:09:29: Person Melli war und auch als Politikerin die Hilfe von außen, die fehlt?

00:09:35: Als Politikerinnen nicht.

00:09:36: Weil wir zu unseren Genossen auf dem Festland einen sehr guten Kontakt haben ... Wenn wir in Langkreis Lea oder Niedersachsen im Bundestag Personen ansprechen, hören sie uns!

00:09:55: und versuchen uns auch auf unseren Wegen zu unterstützen.

00:09:59: Das klappt nicht immer, das ist halt so weil wir auch manchmal als hier Bewohner eine andere Sichtweise haben.

00:10:06: aber in vielen Fällen haben wir da wirklich auch viel Gutes bewirken können.

00:10:15: Wenn hier auf der Insel eine kleine Katastrophe ist, wie das See-Container von einem Schiff fallen.

00:10:22: Du hast einen Brand ... Es ist Paraffin wieder angespült worden.

00:10:30: Dann kannst du nicht mal eben im Nachbardorf anrufen und unterstützt uns.

00:10:35: Und da sehe ich gerade unsere Insegemeinschaft immer ganz stark.

00:10:41: Da bekommst du, ihr bekommen wir auch genügend Hilfe von außen?

00:10:45: In diesen Momenten kann ja gar nicht so schnell Hilfe von außen kommen, weil das Wasser dazwischen ist.

00:10:51: Aber

00:10:51: der Wille ist da?

00:10:52: Oder würdest du sagen ... Es muss auch einen politischen Willen geben, dass man sagt wir schaffen Strukturen auf der Insel um das schneller Hilfe kommt und eine Verbindung zum Festland hergestellt

00:11:03: wird?

00:11:04: Zum Beispiel haben wir eine gut ausgestattete Feuerwehr, wo der Langkreis uns unterstützt hat, auch finanziell.

00:11:12: Und diese große, sehr gut ausgestattete Feuerwehr haben wir nur weil wir eben keine Hilfe aus einem Nachbardorf bekommen können.

00:11:24: Und deswegen haben wir eine so große Feuerwehr und da haben wir auch eine gewisse Unterstützung natürlich vom Festland finanziell gekriegt.

00:11:34: Schön!

00:11:34: Was ist ein Kampf?

00:11:36: Ja das ist immer ein Verhandeln natürlich und dann durch alle Fraktionen die ... Politiker auf dem Festland ansprechen können.

00:11:45: Aber dann bist du mitten drin im Geschehen?

00:11:47: Ja!

00:11:49: Warum ist es gerade Borkum geworden, warum ist nicht eine andere Insel geworden an anderer Ort?

00:11:52: Tatsächlich muss ich das gestehen war das Zufall.

00:11:55: Ich kannte Borkom nicht vorher.

00:11:57: Ich wollte ein zwei Jahre mal ganz weit weg von Bremen Einfach mal ein anderes Leben leben und habe mich in Süddeutschland, in den Bergen.

00:12:08: Weil ich die Berge auch sehr liebe und ich gehe sehr gerne wandern und bergsteigen Und auf Inseln- und Küstenorten hab' ich mich beworben.

00:12:21: Hier auf Borkum hatte ich dann mein erstes Vorstellungsgespräch.

00:12:25: Dann kam ich aus der Rehaklinie raus und habe meinen Eltern, die damals mich begleitet haben Ich war achtzehn gesagt Mama, also wenn die mich nehmen hier möchte ich hin.

00:12:36: Warum?

00:12:39: Es hatte für mich was Beschütztes.

00:12:41: Also ich bin zwar geboren im Bremen wir haben aber nachher auf dem Land gewohnt und ich komme aus einem kleinen Dorf Groß Iffena kennt kaum jemand meistens nur durch Stau auf der Autobahn Die Dörfliche, die kleine Struktur.

00:13:00: Das hat mir gefallen.

00:13:02: und das Meer.

00:13:04: Ich hatte sofort eine Verbindung zum Meer ... Und die Reha-Klinik war auch für mich so gleich ein Ort, wo ich sag, da kann nicht mehr Vorstellung zu arbeiten.

00:13:16: Okay, du hast bis aus der Klinik rausgekommen vom Vorstellungsgespräch?

00:13:20: Ja!

00:13:20: Und hattest so einen Aha-Moment und hast gesagt, dass es ist.

00:13:23: Wenn die mich nehmen, bleibe ich hier.

00:13:24: Genau.

00:13:24: Und ich wollte ein Jahr bleiben.

00:13:27: Tatsächlich war mein Plan ein Jahr und dann wollte ich Ökotrophologie, also Ernährungswissenschaften studieren.

00:13:34: Und habe aber festgestellt dass der Beruf als Diäteassistentin meine Berufung ist.

00:13:39: Ich bin dann irgendwann zusätzlich auch noch Allergie-Therapeut geworden und ich liebe meinen Beruf heute noch... Ich gehe die meisten Tage, also nicht bei diesem Wetter.

00:13:51: Aber die meisten Tag sehr gerne auf meiner Arbeit.

00:13:54: Man muss dazu sagen wir haben heute tatsächlich den ersten aber richtigen bombastischen Sommertag.

00:14:00: Es ist unglaublich warm Wir haben Mittagszeit und es ist wirklich richtig schön!

00:14:06: Wir sehen die Badegäste gerade von hier aus Und wir sehen dass die Menschen am Strand sind.

00:14:11: Das ist meistens nach einem langen Winter oder auch nach einem Frühling der doch bisschen verriggelt war Irgendwie so ein Zeichen von der Sommer ist wieder da, ne?

00:14:19: Ja

00:14:19: und ich liebe die Sommerzeit weil dieses trubelige Leben.

00:14:25: Also es finden Partys am Strand statt im Musikparvillon wird spielen unterschiedliche Künstlerinnen.

00:14:36: Ich liebe es wenn DJ Abend ist und auf der Promenade getanzt wird.

00:14:41: Mich stört auch nicht, dass die Stadt dann mal ein bisschen voller ist.

00:14:44: Das gehört ja ein bisschen dazu und dann genieße ich aber auch wieder sehr die Winterzeit wo wir dann ja auch so bestimmte Festivitäten unter uns haben oder man geht einfach mal zu der Freundin zum Kaffee trinken, die im Sommer gar keine Zeit hat weil sie einfach auch viel Arbeit.

00:15:02: das gehört ja auch dazu zu wissen dass die meisten Insulaner und Insulanerin im Saisongeschäft sind, in der schönsten Jahreszeit ihre meiste Arbeit haben.

00:15:13: Da hab ich so ein bisschen Glück in der Reha-Klinik, sind das ganze Jahr belegt ... Ist es gleichmäßiger?

00:15:20: Ja, aber wir haben viele Menschen auf der Insel, die wirklich sehr hart daran arbeiten, dass es unseren Gästen hier gut geht.

00:15:28: Hatt ich das, also wenn du vor thirty-fünf Jahren hergekommen bist und hast die Idee ein Jahr hier zu bleiben.

00:15:34: Hat dich das in den ersten Jahren auch mal abgeschreckt?

00:15:37: Jetzt mittlerweile bist du ja dann halt eingesessen und kannst es damit umgehen weil du auch den Vergleich hast zum Winter.

00:15:42: Also ... Aber wer war das am Anfang?

00:15:44: Ich hatte tatsächlich, ich bin ja damals im Oktober angefangen und vor sechsunddreißig Jahren war hier im Winter ein Teil, ein großer Teil der Geschäfte wurde zugemacht.

00:15:55: Über Weihnachten war nicht viel los auf der Insel das war sehr ruhig und ich kannte auch noch niemanden und ich habe mich sehr einsam gefühlt.

00:16:05: also an das Gefühl kann ich mich noch gut erinnern Und ich habe meine Mama angerufen, wo ich gesagt hab, Mama, ich möchte gehen.

00:16:14: Ich möchte nach Hause kommen nach einem halben Jahr und die hat gesagt, Melli halt noch ein bisschen durch?

00:16:19: Also es ist nicht gut, nach einem Halbenjahr seine Stelle schon zu wechseln!

00:16:23: Dann habe ich meine ersten Freunde kennengelernt also Elke, die zum Beispiel heute immer noch meine Freundin ist, meine gute Freundin... ...und dann bin ich in so eine Borkommerklickereien geraten Und wir haben wilde Partys damals in meinem kleinen Apartment in der Reha-Klinik gefeiert.

00:16:42: Da hat sich eine schöne Truppe gebildet, ja!

00:16:46: Das heißt aber auch wenn ihr dort ne Gruppe gefunden habt?

00:16:50: Ist das dann auch Heimat geworden zu dem Zeitpunkt oder war das später?

00:16:53: Kannst du dich noch so ein bisschen erinnern wann du gemerkt hast Borkum ist nach Heimat gekommen?

00:16:57: Es gibt so ne Schöne für die die das nicht kennen und kennt vielleicht nicht viele die es hören Wenn man mit der kleinen Mann rausfährt Richtung Hafen, gibt's rechts mein Haus.

00:17:07: Ja.

00:17:08: Und da steht ... Rangeschrieben, Heimat ist ein Gefühl.

00:17:12: Das war eins der Schilder oder eines der Sachen, die mir aufgefallen sind, das war irgendwann vor zehn Jahren, wo ich als Gast hier war und wo ich rausgefahren bin und das erste Mal drüber nachgedacht hab, das stimmt eigentlich.

00:17:25: Wie war das für dich?

00:17:26: Weißt du noch wann das so ein Moment war, wo Heimat ein Gefühl wurde für dich

00:17:29: ?

00:17:31: Das kann ich gar nicht so ... ganz beschreiben.

00:17:34: Also irgendwann habe ich mich nicht mehr als Bremerin, sondern als Borkumerin gefühlt.

00:17:42: Natürlich ist Bremen immer noch in meinem Herzen.

00:17:45: Das ist meine alte Heimatstadt und meine Schwester wohnt mitten im Bremen und ein zweimal im Jahr da zu sein und durch Bremen zu gehen das ist auch immer noch wohlig.

00:17:58: Aber irgendwann war Bremen zur Seite gerutscht und Borkum war im Herzen.

00:18:03: Und den Zeitpunkt kann ich gar nicht mehr genau bestimmen, ein prägener Moment war natürlich als unsere Töchter geboren worden sind.

00:18:13: das hat dann noch mal eine intensivere Bindung zur Insel geschaffen.

00:18:20: Hatten die es leichter wie du?

00:18:23: Unendlich!

00:18:25: Weil Du als Mutter als Vorbild Ihnen das vorgelegt hast.

00:18:28: oder woran lag

00:18:28: es?

00:18:29: Das sind Borkommeren von Geburt an.

00:18:30: Okay!

00:18:32: Und die sind ja mit ihren Freunden hier groß geworden, ich musste ja erst mal Freunde finden.

00:18:38: und das ist eben wenn du nicht als ganz kleines Kind kommst natürlich ein bisschen schwieriger.

00:18:45: und ich glaube wenn du als Mensch mit mit vierzig-fünfzig kommst und nicht ein besonderes Hobby hat was ihr auf der Insel passt Auch da dauert das länger, Freunde zu finden, glaub ich.

00:18:59: Wenn du ganz klein bist?

00:19:00: Das ist glaube ich aber auch in der Natur des Menschen.

00:19:04: Jeder Mensch hat seine Erfahrung gemacht und ist dann erst mal ein bisschen vorsichtiger jemanden in seiner Nähe zu lassen.

00:19:11: Und das ... ist, glaube ich, auch ein ganz normales Verhalten.

00:19:14: Wenn Du aber ... also grade was die Kinder angeht, haben die irgendeine Bindung zu Bremen?

00:19:21: Habt ihr euch mit Sicherheit mal ... Deine Heimat angeschaut?

00:19:25: Ja, natürlich.

00:19:25: Wir sind ... Meine Eltern wohnen ja in der Nähe von Bremen und wir sind da sehr viel.

00:19:31: Und also besonders die kleine Tochter, die große Tochter aber auch.

00:19:36: Aber die kleine tochter ist sehr lange zwei, drei Wochen in den Ferien gerne bei ihrer Oma.

00:19:41: Mhm.

00:19:43: Die sieht die Wohnung oder das Haus meiner Eltern als ihr Zuhause.

00:19:51: Okay, ist das aber dann für die Kinder auch der Wunsch?

00:19:55: Du wolltest nach einem halben Jahr hattest du den Wuns zu sagen Gott oh Gott.

00:19:59: Hast du das bei deinen Kindern auch schon mal wahrgenommen?

00:20:02: Und konntest Sie vielleicht darin bestärken dann noch?

00:20:04: Ich glaube, die beiden sind da ein bisschen unterschiedlich.

00:20:06: Wobei die Kleine erst mal abwarten, was nach der Pubertät an Wünschen entstehen.

00:20:12: Aber die Große wollte jetzt einmal ein Jahr weg und war jetzt ein Jahr in Frankreich zu einem Auslandsjahr.

00:20:18: Und ist da ein Jahr aufs Gymnasium gegangen, ist vorgestern wieder zurückgekommen.

00:20:23: sehr emotional ... Ähm... Und sie wollte mal über ihren Tellerrand schauen.

00:20:29: Und das hat ja auch sehr gut getan!

00:20:32: Schön.

00:20:33: Das heißt, du lebst auch viel fordern aber auch?

00:20:36: Ich glaube meine Reiserlust haben sie beide hier.

00:20:39: Also so sehr ich die Insel liebe und ich freue mich immer wenn ich wieder mit der Insellbahn in den Ort hinein fahre brauche ich aber so zwei drei mal im Jahr meine Momente wo ich sage ich muss jetzt mal was anderes sehen Ich möchte irgendwo hin, ich mache auch viel Urlaub in Deutschland.

00:21:00: Es gibt sehr schöne Ecken hier im Land.

00:21:03: Mein Mann braucht das nicht so sehr der ist Borkumma mit Leib und Seele und sagt also ich brauche eigentlich gar nicht viel mehr als Borkumen aber er lässt mich ziehen weil er immer sagt ich weiß wenn ich dich ziehen lasse kommst du zurück finde ich eine sehr schöne Aussage.

00:21:23: wir machen das auch mal zusammen aber er braucht es nicht so oft.

00:21:26: Jeder Mensch ist da eben anders.

00:21:29: Was würdest du trotzdem glauben, wenn du mit Familie hier lebst?

00:21:32: Ich lebe alleine hier, ich kenne viele alleine hier.

00:21:34: Ich kenn aber auch viele, die mit Familie leben.

00:21:37: Ähm ... was ist das Schwerste, wenn Du mit einer Familie hierlebst auf so ner Inselwinter oder im Sommer ein bisschen separiert auf vom Festland vielleicht nicht immer ganz die Möglichkeit rauszukönnen?

00:21:50: Was ist die größte Herausforderung, das Schwerkste für Dichte an dem Fall?

00:21:53: Also

00:21:53: gerade als die Kinder klein waren Was gab es für mich nicht Schöneres, meine Kinder großziehen?

00:22:01: Hier auf der Insel.

00:22:02: Weil du kannst die Kinder sehr früh laufen lassen.

00:22:05: Sie können mit ihrem Fahrrad schon klein zu ihren Freunden fahren und hast keine Angst.

00:22:11: Ich hab auch ... Meine große Tochter wird jetzt ein bisschen pflüge.

00:22:14: Wenn sie hier losgeht, ich habe keine Angst!

00:22:18: Ich kenne das von anderen Menschen, die in großen Städten leben anders.

00:22:24: Also ... Ich glaube, gerade wenn die Kinder am Großwerden sind gibt es nicht Schöneres.

00:22:29: Aber Arztbesuche mit den Kindern immer aufwendig, immer teuer ... Das ist so das was ich als negativ empfinde.

00:22:37: und du hast auch immer Kinder, die ihre Ausbildung auf dem Festland machen und nicht wiederkommen.

00:22:46: aber meine Mutter hatte das Gleiche.

00:22:49: Ja Sie sieht mich ja auch nicht so oft, weil die Fähre dazwischen ist.

00:22:54: Das kann ja auf dem Festland tatsächlich passieren.

00:22:59: Aber das ist das, was mir am schwersten fällt zu wissen, dass sie eins der beiden Mädchen oder beide irgendwann vielleicht nicht hier leben.

00:23:06: Ich würde mir schon wünschen ... Dass sie ihr Ruhepol immer auf der Insel behalten und sie lieben Borkum sehr.

00:23:16: Und deswegen glaub ich das auch, dass das immer ihr ... ihr Ruhepol hier werden wird.

00:23:21: Das ist ein schöner Gedanke.

00:23:23: dann, aber gibt es auch Momente wo du dann vielleicht wir hatten das glaube ich auch mal schonmal im Vorgespräch so ein bisschen?

00:23:29: Wo du dann weiter nach vorne schaust.

00:23:31: jetzt nimm mal an die Kinder sind älter gehen vielleicht wirklich aufs festland oder sind nur noch gelegentlich hier Gibt's bei dir Ein gedanke wo du sagst der macht mir ein bisschen angst wenn nicht allein auf der insel bin oder Du hast einen großen Freundeskreis, das ist vielleicht nicht ganz so gut.

00:23:47: Aber gerade auf die Familie bezogen und jetzt schauen wir mal nicht zehn Jahre vor, sondern vielleicht zwanzig Jahre vor?

00:23:53: Tatsächlich habe ich meine Rentenbescheid gekriegt, dass ich nur noch dreizehn Jahre arbeiten muss.

00:23:58: Das finde ich krass weil ich fühle mich gar nicht so alt.

00:24:01: Und wo ich mir immer Sorgen gemacht hab es die medizinische Versorgung hier auf der Insel.

00:24:07: wenn du ... Ich hoffe, dass ich noch lange nicht krank und so alt bin.

00:24:11: Dass das wirklich problematisch wird.

00:24:14: aber ich sehe es eben bei älteren Menschen auf der Insel, dass das dann manchmal schwierig wird und wir kriegen ja das medizinische Versorgungszentrum auf der insel sodass ich fest daran glaube, dass die medizinischen versorgung hier auf der insel besser werden wird.

00:24:29: also das finde ich sehr positiv und das sehe ich eben dass das jetzt startet sich und sich entwickelt noch ganz viel weiterentwickelt, dass wir eben Fachärzte tageweise auf die Insel und Ärztinnen tageweisen auf die insel bekommen.

00:24:47: Also das ist ein projekt was mir ganz wichtig ist

00:24:50: auch für die zukunft persönlich

00:24:51: genau.

00:24:53: aber ich gehe davon aus dass ich mein mein leben bis zuletzt hier auf der insel verbringe.

00:24:58: aber ich möchte wenn nicht auf rente bin einfach auch im viel reisen.

00:25:07: Das ist so, was ich mir schon vorgenommen habe.

00:25:09: Aber mein Leben wird aus meiner Sicht bis zum Ende hier auf der Insel stattfinden.

00:25:20: Ich hab ja auch eine tolle Familie!

00:25:22: Ich hab ne sehr schöne Festland-Familie und mein großes Glück ist dass ich ne ganz tolle Inselfamilien gewonnen habe Eine Schwiegermamma, die herzlicher nicht sein kann.

00:25:33: Ich liebe die Geschwister von meinem Mann.

00:25:37: Also ich hab neben meinen Freundschaften und Freunden eben halt auch wirklich eine Familie hier Und das macht das Leben natürlich nochmal anders wie für Menschen, die als Single hier sind und neu da sind.

00:25:51: Hilft es dir dabei dass du in deinem politischen Wirken und aus Politikerin und auch stellvertretende Bürgermeisterin daran mitwirken kannst, dass deine Zukunft und die Zukunft von Familie oder Freunden vielleicht hier auf der Insel ein bisschen besser wird?

00:26:04: Das ist ja das warum ich das tue.

00:26:07: Ich habe ja grundsätzlich keine wirklichen Vorteile dadurch, dass ich Kommunalpolitikerin bin.

00:26:13: es gibt nur eine kleine Aufwandsentschädigung wir in der Regel sowieso hauptsächlich dem Ortsverein dann zukommen lassen.

00:26:20: Es ist ein Ehrenamt und wird nicht finanziell groß bezahlt, auch nicht die stellvertretende Bürgermeisterin.

00:26:29: Das ist ein kleiner Oberlos!

00:26:32: Ich mache das weil ich möchte dass die Insel lebenswert bleibt und lebenswerter auch noch wird gerade auch für junge Menschen.

00:26:43: Das Thema Frauen ist mir auch immer sehr wichtig, dass Frauen in ihrer Arbeit und in dem was sie leisten in der Gesellschaft auch wirklich gesehen werden.

00:26:53: Und ja es gibt in Dörfern auf traditionell eben sehr männliche Geschichte, was auf allen in allen Dörfer so ist weil früher die Frauen halt in den Haushalten waren nicht außerhalb so aktiv waren.

00:27:14: Und ich versuche gerade mit anderen zusammen, das ist ein gemeinsames Projekt die Borkommer Inselfrauen, ein bisschen Netzwerken ankommen paar Projekte schaffen einfach mal gucken was daraus sich entwickelt.

00:27:33: Das finde ich ein ganz spannendes Projekt wobei dass nichts mit meiner Politik zu tun hat.

00:27:39: Da bin ich nicht als Politikerin, da bin ich als Borkumerin.

00:27:45: Das ist für mich komplett getrennt auch wenn man es nie zu hundert Prozent schafft.

00:27:50: das wird von keiner Partei in die geleitet oder so, das ist einfach nur eine Frauenzusammenkunft.

00:27:59: Aber dann lassen wir uns noch mal kurz ... Wir wollen's nicht zu weit, aber wir lassen auf Politik kommen!

00:28:03: Das ist ja immer ein Reizthema natürlich bei dem einen oder anderen, aber ich find es trotzdem sehr interessant.

00:28:10: Inwiefern unterscheidet sich Politik auf einer Insel?

00:28:16: Ja, in einer dörflichen Region wie du es genannt hast von der Politik in einer großen Stadt wie Bremen.

00:28:23: In Bremen kannst du, da gibt es ja auch Stadtteile wo eben so was ähnliches wie hier kommunalpolitisch begleitet wird gehst du in dein Nachbarstadtteil.

00:28:36: Kennt dich kein Mensch!

00:28:38: Das ist natürlich anders, wenn du um Senat bist.

00:28:41: Dann wirst du einen ganz Bremen erkannt.

00:28:43: Aber wenn du kommunalpolitisch in Stadtteilen aktiv bist ... Kannst du einfach in den nächsten Stadtteil gehen und dich kennt keiner?

00:28:51: Und du bist natürlich sichtbarer!

00:28:55: Du bist auch nicht anonym.

00:28:57: Was ich einerseits liebe, was aber manchmal natürlich das alles ein bisschen schwieriger macht.

00:29:03: Mhm.

00:29:04: Was heißt Sichtbarkeit für dich im Zusammenhang?

00:29:08: Man sollte sowieso nie tun, aber ich würde niemals mit dem Fahrrad durch eine Fußgängerzone fahren.

00:29:13: Ich bin Ratsmitglied also da ich versuche sowieso Regeln die der Gesetzgeber gibt weitgehend einzuhalten.

00:29:22: Aber ich weiß dass ich als junger Mensch natürlich mal mit dem fahrrad auch durch die Fußgangerzone gefahren bin.

00:29:28: das würde ich aber heute auf gar keinen fall mehr tun und eben noch einmal mehr nicht weil ich auch als Politikerin ein Vorbild sein möchte.

00:29:39: Aber

00:29:39: ist Sichtbarkeit dann eine Last für dich?

00:29:41: Oder ist das keine Last, also das kann ja auch belastend

00:29:44: sein!

00:29:44: Es gab auch Zeiten wo es eine last war.

00:29:47: Also vielleicht auch in der Anfangszeit so bisschen auf der Insel, wo ich nicht so ernst genommen wurde als Politikerin, weil ich ein sehr emotionaler Mensch bin und eben halt auch möchte dass man zwar diskutiert und Kritik äußert vertritt, aber ich möchte halt einen guten Thron.

00:30:10: Und ich möchte ... ein gewisses Maß der Freundlichkeit beibehalten und deswegen, also wäre ich glaube auch kein Mensch, der in die große Politik gehen wollen würde weil da sich so oft hart sich Dinge an Kopf geworfen werden das ist nicht meins.

00:30:28: Wäre es aber ein Punkt wo du mal drüber nachdenken würdest aus der Politik zurückzuziehen oder gab's den Punkt?

00:30:33: Punkt gab es, ja.

00:30:34: Mehrfach?

00:30:35: Oder war das mal irgendwie ein besonderes Ereignis, wo du sagst ...

00:30:38: Es gab's einmal ... Ja, ein-zwei Mal natürlich durch sehr harte Ratssitzungen.

00:30:47: Wobei dann ... Durch Gespräche sich auch vieles wieder gut entwickelt hat und zu vielen habe ich jetzt auf wirklich eine gute Basis gefunden und auch selber mit Dingen besser umzugehen.

00:31:04: Aber die Insel war ja auch deutschlandweit in einer harten Diskussion.

00:31:11: Und dort bin ich sehr angegriffen worden, und ich bin da eigentlich nicht der Mensch ... Ich bin dann nicht geschaffen für so was gut auszuhalten.

00:31:21: Trotzdem würde ich es immer wieder machen.

00:31:23: Ich würde mich immer wieder vor die Insell stellen.

00:31:28: Hast du's als Kritik wahrgenommen an dir oder an deiner politischen Haltung?

00:31:32: Oder wie hast du diese Kritik verschiedene Situationen wahrgenommen.

00:31:37: Also in dieser Situation war Kritik gegen die Insel und gegen meine Leute hier auf der Insel, wo ich ... Und Kritik ist ja in Ordnung aber wenn's ungerechtfertigt wird dann kann ich das schwer ertragen.

00:31:56: Aber du wurdest eben, wenn du dich geäußert hast sehr persönlich angegriffen.

00:32:02: also auch unter der Gürtelinie fand ich sehr heftig.

00:32:07: Das ist aber nicht mein politischer Alltag hier.

00:32:11: Gut, mein politische Alltag ist hier, dass ich von vielen Menschen einfach gar nichts dazu höre was total in Ordnung ist.

00:32:20: Aber mit den Jahren auch Dankesworte höre und auch den Respekt das ich dabei bleibe Der Arbeit, der Familie.

00:32:33: Mein Mann, der das mitträgt.

00:32:34: Das gehört ja auch dazu, weil ich oft nicht zu Hause bin und dass man mir da inzwischen Respekt zollt, das tut gut.

00:32:44: Also ich hab das Gefühl oder ich nehme wahr, dass nicht jeder meine politische Position mag aber ... Und das ist ja auch normal.

00:32:56: Aber den Respekt, dass ich das tue, den erfahre ich schon und es tut gut!

00:33:02: Aber glaubst du, dass das ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem geworden ist?

00:33:07: Dass in der Politik zwar gediskutiert wird.

00:33:09: Aber das teilweise ... Natürlich hat sich der Ton verschärft.

00:33:12: Das kriegen wir alle mit.

00:33:15: Geht's nicht nur um die Tonverschärfung, sondern geht es auch sehr oft tief ins Persönliche.

00:33:20: Wenn man sich alte Debatten anguckt, Franz Joseph Strauss und wie sie alle hießen da ging es schon echt ... Tief manchmal, ne?

00:33:28: Aber es war doch aus meiner Sicht noch mehr Respekt dabei.

00:33:31: Ja, aber das erlebe ich hier auf der Insel nicht so in der Kommunalpolitik.

00:33:35: Das von außen da so verbal unter der Gürtellinie ... Also ich nehme da nichts wahr.

00:33:42: Weder im Internet noch in persönlichen Gesprächen oder was ich höre... Also das ist immer alles so.

00:33:50: Kritik, wo ich mal sage, das könnte man vielleicht auch anders ausdrücken oder auch angebrachte Kritik.

00:33:56: Das finde ich in alles okay.

00:33:59: Aber auf der großen Politik und im sozialen Medien wie da miteinander mittlerweile umgegangen wird, das finde ich gesellschaftsgefährdend.

00:34:13: Aber das sehe ich nicht hier auf der Insel.

00:34:15: Wollt dich das?

00:34:20: Mich freut, dass wir hier auf der Insel anders miteinander umgehen.

00:34:26: Natürlich nicht hundertprozentig perfekt!

00:34:29: Das gibt es nicht.

00:34:30: und aber mich besorgt ist für unser Land, für Deutschland wie hart mittlerweile die Mauern in der gegensätzlichen Meinung sind und das man nicht mehr zuhört.

00:34:44: und wenn du nicht mein Freund bist dann bist du mein Feind und in Diskussionen sehr schnell abgerutscht wird, in persönlichen Beleidigungen.

00:34:54: Also das hab ich im Internet auch schon erlebt, wo ich bei einer Diskussion mich beteiligt habe ... Und dann du hässliche alte Frau mit deiner roten Mütze was würdest du hier überhaupt?

00:35:03: Dann hab ich nur gesagt komm doch mal aufs Thema zurück!

00:35:07: Wie ich aussehe kann dir egal sein.

00:35:11: Ich find krass wie schnell da abgeruscht wird mittlerweile.

00:35:16: Kann denn?

00:35:17: Also wenn du sagst, die große Politik in Gänsefüßchen, kann die ... könnte ... mal rein imaginär gedacht.

00:35:24: Könnte denn eine große Politik von der kleinen Politik auf so einer Insel was lernen?

00:35:28: Ja!

00:35:29: Und ja, was denn?

00:35:31: In der Art wie jedes Wort mittlerweile zerflippt wird und dieser Barrieren, die geschaffen werden und wie hart miteinander umgegangen wird in der großen Politik Und auch, wie sehr nach unten getreten wird von einigen Politikern und Politikerinnen.

00:35:52: Also auf die arbeitende Gesellschaft aber auch auf die Gesellschaft, die gerade nicht in der Arbeit ist, auf die sozial Schwachen.

00:36:01: das verschärft den Ton miteinander und da müsste sich die große Politik mal besinnen und wieder einen anderen Weg gehen.

00:36:10: also es geht nicht darum keine Kritik zu äußern.

00:36:15: Diese Härte, wie mittlerweile miteinander umgegangen wird.

00:36:18: Das fährt sich ab bis nach

00:36:20: unten.

00:36:23: Das endet am Ende in den Kneipen und den Bierstuben?

00:36:25: Genau.

00:36:28: Und Presse-Medien beteiligen sich daran in der Art, wie Überschriften gewählt werden, wie Schlagzeilen, einzelne Dinge hochgepusht werden ... Ich bin auch leider inzwischen nicht mehr so ganz unkritisch, wenn ich Fernsehberichte sehe.

00:36:53: Aus eigenen Erfahrungen an Interviews, wo ich teilgenommen habe und was daraus gemacht wurde.

00:37:01: Du hast das ja gegenseit zu vielen, zu den meisten erlebt, dass ein Fernsehnterview mit dir geführt wurde?

00:37:08: Und dann hast du dir das angeguckt?

00:37:10: Was hat es in dir ausgelöst in dem Moment?

00:37:13: Unverständnis, was daraus entstanden ist.

00:37:16: Weil die Vorgespräche auch anders waren?

00:37:18: Ja.

00:37:19: Wobei ich da im großen Teil noch ganz gut weggekommen bin.

00:37:23: Aber andere Personen, die interviewt wurden sind ... Ich hatte Teile mitbekommen, was sie gesagt haben und was dann verwendet wurde.

00:37:31: Da wurden nicht ihre Glanzmomente genommen.

00:37:34: Und das glaube ich beabsichtigt.

00:37:37: Okay.

00:37:38: Das fand ich in der Wahrnehmung schon erschütternd.

00:37:43: Und seitdem hinterfrag ... Ich find der Frage sowieso viel.

00:37:47: Seitdem hinterfrage...

00:37:49: Hier wird gearbeitet, wir haben's vorhin gesagt!

00:37:52: Es ist gut, dass hier gearbeitet wird, sonst hätten wir auch nichts zu trinken.

00:37:55: Wir hätten nicht diesen schönen Platz heute.

00:37:57: Genau

00:37:57: also ich hinterfrage seitdem noch ein bisschen mehr und guck mir manchmal wenn ich Überschriften in Zeitungen lese dann das entsprechende Interview an und sehe Aus einem Kontext gerissen, hören sich die Dinge halt immer anders an.

00:38:15: Und ich glaub das sollten wir alle mehr machen!

00:38:18: Du bist also auch immer wieder... Also du versuchst natürlich auch wenn du ein Interview gibst oder mal einen Statement abgibst, was ich jetzt so wahrnehme immer auf die Sachebene zu kommen und das ist ja auch richtig.

00:38:29: Die Sachebene ist mir sehr wichtig.

00:38:31: Ich möchte nicht persönlich werden, also nicht persönlich angreifen, das ist richtig

00:38:36: Wenn es um die Sachebene geht.

00:38:38: Du hast dir mit Sicherheit in den ganzen Jahren.

00:38:40: Wie lange bist du genau in der Politik, was würdest du sagen?

00:38:43: Ich bin seit einundzwanzig zwanzig Jahren im Ortsverein der SPD und im Stadtrat bin ich zwanzich Jahre inzwischen.

00:38:59: Und wenn wir uns um die Sache eben nicht geht, wenn es um Projekte geht ... Welche Entscheidungen war die, die dich am meisten bewegt hat an der du mitgewirkt hast?

00:39:08: Hier auf der Insel, Bockung.

00:39:11: Deine Funktion als Politikerin?

00:39:14: Dann muss ich überlegen ...

00:39:17: Ist okay!

00:39:18: Es gab eben... Also was mich besonders bewegt hat ist auch dass wir das jetzt mit dem MVZ hinbekommen weil das ein Thema war was vielen Menschen auf der Seele brennt.

00:39:31: und eben auch wir haben ja nun noch diese zwei Hausarztpraxen die völlig überlaufen sind und überrannt sind, am Limit arbeiten.

00:39:43: Es ist ja nicht nur für uns Patienten und Patientinnen schwierig, sondern auch für die Menschen, die noch in den Hausarztpraxen aktiv sind.

00:39:52: Und wenn das MVZ anläuft, werden sie entlastet.

00:39:57: Das ist wichtig.

00:39:59: Sonst würden sie uns auch nicht erhalten bleiben.

00:40:01: Aber da würdest du jetzt sagen ... Und die Zeit von den zwanzig Jahren.

00:40:04: war das für dich so ein Herzensprojekt auf der Insel?

00:40:08: oder auch, wir haben ja gerade von Sachebene gesprochen.

00:40:11: Was dir sehr wichtig war und was dir mit am wichtigsten war?

00:40:14: Dass du an der medizinischen Versorgung von der Insell di

00:40:17: ... Aber es gab auch viele kleine Dinge... unsere Inseljäger, die Probleme mit der Nationalparkverwaltung hatten und wir dann ein Politiker vom Festland geholt haben.

00:40:29: Und dann hat man gut miteinander gesprochen und konnte das klären.

00:40:33: Also diese kleinen Sachen also nur als kleines Beispielen und davon gab es ja noch ganz viele andere im Tierheim waren oder in der Feuerwehr waren anliegen oder wie auch immer Menschen kommen zu uns sagen uns ihr Anliegen.

00:40:49: Wenn wir helfen können, machen wir das.

00:40:51: Und diese kleinen Momente, die schätze ich eigentlich am Allermeisten weil du in kleinen Dingen ganz viel bewirken kannst und das liebe ich sehr.

00:41:04: Erfährst

00:41:04: Du dann auch Dankbarkeit?

00:41:05: An danach?

00:41:06: Also wenn man das MVZ tipps beispielsweise oder auch die kleinen Projekte von denen du sprichst von Insulanern, weil wir hatten ja vorhin tatsächlich das Thema Wann ist man Borkumerin?

00:41:16: Erfährst du dann auch wirklich Dankbarkeit, die du spürst?

00:41:21: Ab und zu.

00:41:22: Ja also das erwarte ich nicht grundsätzlich, weil es gehört jetzt um eine Aufgabe dazu, das zu tun.

00:41:30: Aber ab und zu kommt dann auch ein sehr warmes Dankeschön.

00:41:36: Und ich bin eben auch ein körperlicher Mensch, ich freue mich dann auch wenn mich jemand in den Arm nimmt und auf den Schulter klopft und sagt hast du gut gemacht!

00:41:45: Das gibt es.

00:41:48: Als stellvertretender Bürgermeisterin das mache ich ja jetzt seit sieben Jahren, mag ich eben auch diese Momente wo der Bürger... Also das ist ja ein reines Ehrenarm für die Repräsentative.

00:42:00: Ich vertrete ja den Bürgermeister nicht im Rathaus.

00:42:02: Das ist auch nicht immer allen so bekannt, wenn ich zu einem neunzigsten Geburtstag gehe und wir sitzen da und unterhalten uns und du hörst alte Borkum-Geschichten.

00:42:16: also das ist auch etwas was ich sehr gerne mache.

00:42:19: Dann lass uns dann nochmal kurz darauf eingehen in dieses stellvertretende Bürgemeisterin.

00:42:23: Du musst jetzt eine Stellenanzeige schreiben.

00:42:29: Oder müsstest du beschreiben, was tut eine stellvertretende Bürgermeisterin auf einer Nordsee-Insel?

00:42:37: Die stellvertrete Bürgemeisterin versucht die Insel in ihrem besten Licht darzustellen.

00:42:44: Wenn zum Beispiel irgendwelche Veranstaltungen sind es war jetzt zum Beispiel eine Fortbildungsgruppe aus Hannover hier Und das waren alles Senioren, die sich mit dem Thema Demokratie beschäftigt haben.

00:43:02: Dazu bin ich dann eingeladen worden erst der Vormittags-der-Bürgermeister und nachmittags sehe ich.

00:43:09: Dann steht man da Rede und Antwort.

00:43:12: Da wurde gefragt wie ist das Inselleben?

00:43:14: Wie geht man miteinander um?

00:43:17: Wie funktioniert die Politik auf einer Insel ... Und da uns einfach auch gut darzustellen, unpolitisch.

00:43:24: Als stellvertretender Bürgermeisterin seh ich mich als unpolitische für alle Bürger.

00:43:31: Also so sehe ich mich auch als SPD-Politikerinnen.

00:43:35: aber das trenne ich auch ein bisschen und wir hatten ja eben auch eine große Demo ging rechts veranstaltet, da oben zu stehen und die ganzen Insulanerinnen sehen.

00:43:53: Die da standen und gekommen sind ... Das war ein sehr bewegender Moment.

00:44:01: oder auch als wir den Gedenktag für die Flieger hier auf der Insel hatten.

00:44:07: Und wie viele da gekommen sind?

00:44:10: Auch das fand ich, dass man sagt also wir gedenken dem Und wir sind da, das fand ich auch toll.

00:44:17: Das hat mich sehr bewegt.

00:44:20: und als die jungen Friday for Future-Leute die Deutsche Umwelthilfe und wer dann noch alles gekommen ist ... und ich dann spontan da oben auf der ... Das erste Mal war ja gar nicht vorbereitet, da war ich in meinen Stranddress da und auf einmal holen die mich da oben mit Monica Harms zusammen, die auch stellvertretender Bürgermeisterin ist Und dann haben wir da ein paar Sätze gesagt, völlig unvorbereitet.

00:44:45: Das war auch ein sehr emotionaler

00:44:46: Mensch.

00:44:47: Da hab ich dich tatsächlich wahrgenommen?

00:44:48: War das ... Ich kann das sein, im Sommer.

00:44:51: Dann hab ich Dich da wahrgenommen und war zwar hier schon so weit angekommen auch und hatte auch schon diverse Kontakte aber hatte Dich noch nicht so wahrgenommen.

00:45:00: Dort habe ich DICH sehr stark wahrgenommen!

00:45:03: Oh, danke!

00:45:04: Auf dem Moldplatz war das... Hatte auch von dieser Gasplattform gehört und hatte mich aber da noch nicht mitbefasst.

00:45:12: Und hab dich dort sehr stark wahrgenommen, diese Veranstaltung habe ich dann gedacht so okay gehst du in so einem Thema auf?

00:45:23: Weil das kam mir sofort!

00:45:25: Du bist.

00:45:25: in diesem Moment war dir dieses Thema enorm wichtig.

00:45:28: Das hat man gemerkt Genauso wie natürlich die ganze Fridays for Future Bewegung, die waren dann auf der Insel ganz groß vertreten.

00:45:36: Auch wir hatten dann Luisa Neubauer da, das war ja letztes Jahr auch noch mal der Fall mit einem Camp und ... War dir dieses Thema so wichtig dass du gesagt hast?

00:45:46: Das ist doch ein Reizthema im Klimaschutz-Gastplattform.

00:45:49: Dass du gesagtest, da beziehe ich so Klarstellung dazu?

00:45:51: Ja also ... Das Jahr davor waren sie ja schon mal da, da war ich unvorbereitet.

00:45:57: Und das Jahr wusste ich ... Da wurde ich angefragt von den Fridays, ob ich noch eine Rede halten würde und da hab ich mich vorbereitet.

00:46:06: Also mir ist das Thema Umwelt also nicht nur Gasförderung sondern generell unheimlich wichtig Weil, wenn das mehr ansteigt sind wir weg als Insel.

00:46:21: Und deswegen sollte Klimaschutz uns alle angehen und die... Das ist jetzt ja nicht nur die Gasförderung hier auf der Insel sondern generell halte ich dieses Thema unabdingbar für wichtig und würde mir wünschen dass die derzeitige Regierung unternehmlich Kritik an meine Partei nicht aus da Jetzt nehmen wir das mal ein bisschen lustig, mehr Gas geben würde gegen das Gas.

00:46:50: Ja okay!

00:46:51: Also und da beziehe ich auch eine ganz andere sehr deutliche Stellung

00:46:55: Wie nimmst du die Stimmung auf der Insel war?

00:46:58: Ist es sehr einheitlich oder gibt's da auch Kontroversen zu dem Thema?

00:47:01: Weil ich könnte mir vorstellen auf so einer Insel wie wir hier leben und auch auf anderen Inseln dass das doch eigentlich rein aus logischen Gründen jedem am Herzen liegen müsste.

00:47:14: Im Rat war eine einstimmige Entscheidung dagegen zu klagen, auch wenn das Geld kostet.

00:47:20: Und wir haben da ja auch Unterstützung von Nachbarinseln und aus den Niederlanden, wo wir gemeinsam Dinge tätigen.

00:47:30: Da muss ich sagen, da ist unsere Umwelt beauftragt oder Bürgermeister immer sehr dran an diesem Thema.

00:47:39: Wir können froh sein, so eine tolle Umweltbeauftragte auf der Insel haben.

00:47:42: Da macht Frau Franke wirklich tolle Arbeit.

00:47:47: Aber ich hätte mir auf der Demonstration ... Auf der ersten Wand sehr viele Borkumerinnen und Borkomerinnen.

00:47:54: Auf der zweiten waren auch viele.

00:47:56: Da haben mir mehr die Jugend gewünscht.

00:48:00: Die hab ich nicht so sehr wahrgenommen, aber vielleicht hab ich sie auch nicht gesehen.

00:48:03: Es waren ja viele Menschen da.

00:48:05: Aber du nimmst das schon wahr?

00:48:06: Dass das auf Bock um einheitliches ... Auch unabhängig von der Politik vom Rat eine einheitliche Stimme gibt.

00:48:13: Es gibt mit Sicherheit einzelne Menschen, die sagt, es ist egal, ich seh das nicht als Problemen.

00:48:20: Aber im Großen und Ganzen ist es einheitlich, dass wir alle sagen Wir wollen diese Plattform dort nicht, vor allem soll es ja nicht bei einer bleiben.

00:48:32: Und ich finde es richtig dass wir da klagen ja weiter Und da ist auch die Deutsche Umwelthilfe, saubere Luft aus Friesland.

00:48:42: Die Luftfizaz aus den Niederlanden und so weiter und so fort.

00:48:46: also es sind ganz viele aktiv beteiligt und da können wir nur uns bedanken dass sie uns da so gemeinschaftlich unterstützen Und das machen die ja auf eigene Kosten.

00:48:58: Das muss man auch mal sagen.

00:48:59: Da bekommen wir, also die Insel jetzt dann doch von anderen ... Von äußeren, von außenstehenden nenn ich's jetzt mal, mehr wie wir eigentlich glauben?

00:49:08: Genau!

00:49:09: Also auch die Friday for Futures, die hier auf der Insel waren und die gesagt haben, dass kennen sie aus anderen Orten nicht, da werden Sie oft angepöbelt.

00:49:19: Und das haben sich ja auf Borgfum nicht erlebt.

00:49:21: Sie haben einen Willkommen gespürt.

00:49:25: Manche haben vielleicht auch gesagt, boah, naja.

00:49:32: Ich will hier Urlaub machen und ich brauche jetzt nicht unbedingt eine Demo.

00:49:36: Aber im Großen und Ganzen sind sie ... haben Sie sehr positiv die Insel in Ihrem Gedanken, auch mit ihrem Kämpf was Sie hier gemacht haben.

00:49:49: Sie haben ausschließlich nette ... Insulanerinnen hier auf der Insel wahrgenommen.

00:49:56: Und das macht mich natürlich auch stolz, dass Borkum diese Menschen so willkommen geheißen hat und sie auch unterstützt hat in allem.

00:50:07: Ist auch schön wenn man dann merkt was das politische Wirken nachher wirklich auslöst oder?

00:50:11: Ja genau!

00:50:12: Weil am Ende des Tages würden ja die Menschen nicht mitgehen, wenn ihr nicht vorne weg gehen würdet.

00:50:16: Ja

00:50:17: richtig

00:50:17: Und das ist doch schön.

00:50:20: Um die Politik abzuschließen, noch eine Frage an dich ... Wer war der beeindruckendste Politiker?

00:50:27: Wenn du ja in einer Insel vertrittst auch, dann hast du mit Sicherheit den einen oder anderen schon getroffen.

00:50:33: Gab's jemanden wo du sagst, diese Person hat mich nachhaltig irgendwie beeindruckt?

00:50:39: Tatsächlich Doris Schröder-Köpf!

00:50:41: Ja?

00:50:43: Das erste Mal als ich sie getroffen habe, da... und ich hatte sie aus der Presse ganz anders wahrgenommen.

00:50:55: Und dann habe ich eine sehr herzliche, sehr intelligente, sehr offene Frau kennengelernt die für das was sie tut brennt, die eben nicht die Frau von ... ausschließlich die Frau Herrn Schröder war sondern eben einer eloquente, tolle Personen und wir hatten ein ganz langes Gespräch über tausend verschiedene Themen.

00:51:26: Und immer wenn man sich hier mal auf der Insel sieht hält sie auch an und also da ist eine Verbindung geblieben.

00:51:35: emotional.

00:51:40: Mich hat auch damals dann eben schon beeindruckt, wie Presse einen darstellen kann.

00:51:45: Und wenn du die Personen kennenlernst, stellst du fest, das ist ein ganz anderer Mensch.

00:51:51: Das war ja nur damals ... dass sie da so bisschen negativ dargestellt worden ist.

00:51:56: Das ist ja schon lange nicht mehr.

00:51:58: Aber das hat mich das erste Mal als damals noch jüngere Mensch aufhorchen lassen, bild dir deine eigene Meinung?

00:52:08: Für unsere Jüngeren Das schwöder Köpf war die Frau von Gerhard Schröder, unserem Bundeskanzler.

00:52:13: Er hat doch ein paar Jährchen heran und war, glaub ich sehr medienpräsent im Vergleich zu vielen anderen Frauen unserer Bundeskünstler ... Und Bundeskätzlerininnen, die wir hatten.

00:52:24: Von dem her, das überrascht mich jetzt.

00:52:27: Ich hätte an jemand anderem gedacht aber nicht an Sie tatsächlich.

00:52:29: Ja?

00:52:29: Und sie war ja immer auch politisch aktiv.

00:52:32: Mhm,

00:52:33: das stimmt.

00:52:33: Deswegen weiß ich.

00:52:34: Und ist sie ja auch weiterhin in Hannover.

00:52:36: Okay!

00:52:36: Siehst du, das ist jetzt eine Wissenslücke die ich hab.

00:52:40: Lass uns mal zu den Projekten kommen, die du außerhalb der Politik machst, die auch die Insel betreffen?

00:52:44: Du sprachtest von den Inselfrauen.

00:52:46: Was sind die Inselfraumen?

00:52:48: Die Inselfrawnen ... Das hat sich so ein bisschen spontan ergeben einfach eine Gruppe zu schaffen um zu Netzwerken also verschiedene Frauen der Insel zusammenzuholen, zu gucken was fehlt uns vielleicht hier oder wo können wir uns gegenseitig unterstützen?

00:53:12: Oder auf welche Themen wollen wir aufmerksam machen?

00:53:16: und der Gedanke war auch Frauen die neu auf die Insel kommen.

00:53:22: den Einstieg ins Inselleben ein bisschen leichter zu machen.

00:53:26: Und deswegen haben wir einmal die Inselfrauen-Netzwerkgruppe, wo es um Netzwerken und verschiedene Themen gibt.

00:53:33: Es gibt Umweltthemen, es gibt Versorgevollmachten von Alleinstehenden – wie regel ich das als Thema?

00:53:42: Es gibt das Thema Queer.

00:53:49: tolle Inselfrauengeschichten, die noch nie jemand erzählt hat.

00:53:54: Also und noch viel mehr.

00:53:56: also das wird spannend was sich daraus noch alles entwickelt.

00:54:01: Und dann gibt es den Inselfrauen-Plausch wo es einfach nur geht sich zusammenzusetzen und zu unterhalten und sich treiben zu lassen.

00:54:09: nicht jeder möchte Netzwerken und so haben wir aber auch viele die beides gerne wahrnehmen.

00:54:18: Also was treibt dich da genau an?

00:54:20: Das ist ja ... Wir leben immer noch in der Gesellschaft, wo Frauen dennoch in einigen Bereichen unterrepräsentiert sind.

00:54:28: In anderen Bereichen mittlerweile wirklich aufgeholt haben, was irgendwie schön ist.

00:54:32: Aber was treibt dich da an?

00:54:34: Ist es speziell die Insel, wo du sagst, Frauen auf der Insel haben oder brauchen so eine Plattform?

00:54:41: Oder ist es allgemein das Thema Frauen?

00:54:43: Ähm... Also ich lebe natürlich hier und deswegen ist das ein Borkoma-Thema auch, aber es ist eher ein deutschlandweites und wenn nicht sogar weltweites Thema.

00:54:58: Und ich sehe nach dem Feminismus der entstanden ist wo Frauenrechte gestärkt worden sind was unsere Mütter uns erkämpft haben und Großmütter das muss man mal sagen jetzt Wieder ein beginnenden Rückschritt.

00:55:18: Und das weltweit, wo der Recht des eigenen Körpers wieder eingeschränkt wird, wo bestimmte Errungenschaften wieder in Frage gestellt werden, wo Frauen wieder Heim- und Herdaufgabe ausschließlich eher ansteuern sollen was einige so titulieren finde ich ist wichtig dass wir Frauen uns gegenseitig unterstützen und zeigen, ne?

00:55:49: Da machen wir nicht mit.

00:55:51: Schön!

00:55:51: Aber das nehme ich hier auf der Insel... Also ich würde nicht... Wir haben ja viele ganz tolle Geschäftsfrauen hier auf dieser Insel, die.

00:56:00: wir sitzen in einem Laden, der von einer Frau geführt wird.

00:56:06: Und das gibt es an vielen anderen Bereichen auch, was uns vielleicht gar nicht immer so bewusst ist.

00:56:13: Aber trotzdem sind wir einen traditionellen Ort, der aus der Urgeschichte heraus männlich geprägt ist.

00:56:22: Und das mache ich gar nicht als Vorwurf, weil vor hundertfünfzig Jahren war die Frau zu Hause und hat sich um die Kinder gekümmert und keine Vereine gegründet oder irgendwelche Institutionen.

00:56:37: Deswegen dachte ich vielleicht können wir da noch mal was Neues schaffen, was gut für die Insel ist?

00:56:43: Und das soll nicht zu nichts im Konkurrenz stehen.

00:56:45: Nein, muss ja nebenbei also es muss ja nebeneinander auch funktionieren.

00:56:50: Aber was ist dein ... Wo siehst du das Projekt in fünf Jahren?

00:56:55: Was wäre dein Wunsch wenn du's zeichnen könntest?

00:57:00: Dass wir einfach eine große bunt gemischte Truppe bleiben, dass vielleicht noch ein paar jüngere Frauen so nach und nach dazukommen, die fehlen mir noch ein bisschen Und dass sich die Gruppe von alleine trägt.

00:57:18: Dass ich irgendwann feststelle, das ist im Flow ... Es ist ja kein Verein, es gibt keine Chefinn.

00:57:26: Wir entscheiden, dass alles zusammen und dass das so weitergeführt wird.

00:57:33: Das daraus eben ganz viele tolle Projekte für die Insel entstehen.

00:57:39: Einfach ein zusätzliches Angebot!

00:57:43: Was werden?

00:57:47: Was ist denn für dich in den nächsten zehn Jahren ganz speziell vor der Insel?

00:57:51: Oder auf der Inse, dass das Wichtigste was dir am meisten am Herzen liegt.

00:57:57: Mit den Inselfrauen oder ohne die Inselfrauen?

00:58:02: Was licht mir am meisten an dem Herzen?

00:58:05: Also ich ... Mir also, dass wir für die Jugend hier einfach noch einen besseren Ort schaffen.

00:58:15: Wir haben eine supertolle Berufsschule hier auf der Insel, dass die noch weiter ausgebaut wird.

00:58:22: Da bin ich nicht aktiv, das sind andere aktiv, die versuchen für die Gastronomie die Ausbildung auch auf die Insel zu holen.

00:58:29: Traum wäre Ausbildungswohnen auf der INSEL, dass wir Auszubildende vom Festland hier auf den Insel kriegen und ... Immer mehr Jugendliche sagen, es ist schon schön hier.

00:58:45: Ich möchte hier bleiben und leben.

00:58:47: Den Mut, den du hattest vor thirty-five Jahren?

00:58:50: Ja genau.

00:58:52: Wie kannst du da Vorbild sein?

00:58:55: Einfach seinen Weg zu gehen.

00:58:57: Also ich hab einen Traum und den Weg geh' ich.

00:59:00: Der Moment wo du aus der Klinik kamst?

00:59:02: Genau!

00:59:02: Als von Bewerbungsgespräch?

00:59:03: Richtig,

00:59:04: aber meine Tochter hat sich ... Unsere Tochter hat sich selber beworben für einen Auslandsjahr und hat uns das dann vorgelegt.

00:59:15: Und das ist mir ein Zeichen, dass ich ihr durch einfach tun und machen das vorgelebt habe.

00:59:23: Ich glaube, das ist auch so dieses Inselfrauen-Thematik.

00:59:28: Wir Machen und zeigen hier gibt es Wege.

00:59:31: Das gibt einen Schneeball Effekt und wir machen auch.

00:59:36: Es ist genauso ... Ich bin eher ein fröhlicher Mensch, aber ich versuche auch viel Lächeln in die Welt zu geben.

00:59:47: Weil mir ganz sicher bin, dass das einen Schneeball-Effekt hat.

00:59:51: Mir wird manchmal meine Emotionalität ... mein Herz, meinen Mitfühlen vorgeworfen.

00:59:57: Aber ich sehe das anders inzwischen, weil ich weiß, dass es eine Löwenstärke

01:00:02: ist.".

01:00:05: Wenn wir alle ein bisschen freundlicher miteinander umgehen, wird das wie eine Lawine sich auf die Menschheit ausbreiten.

01:00:15: Und ich ... Das wäre auch mein Wunsch für die Zukunft, dass wir da

01:00:20: alle

01:00:21: miteinander besser werden.

01:00:23: Empfindest du das als ... Also wenn man dich trifft?

01:00:27: Das ist ja meistens zufällig oder bei irgendwelchen Veranstaltungen so oder mal auf der Straße oder beim Einkaufen.

01:00:33: Und dann finde ich schon, dass du immer so ein Lächeln verbreitest.

01:00:38: Dass immer der fröhliches Gesicht dich anschaut ... Gibt das dir eine gewisse Freiheit?

01:00:47: Glaubst du, wenn man in die Welt reinlächelt, dass es eine gewissen Freiheit gibt?

01:00:52: Mein Herz ist leichter!

01:00:54: Ich bin nicht ganz fest überzeugt, wenn du sehr düster auf die Menschheit schaust und das negative erwartest.

01:01:03: Belastet dich das und es macht dein Leben schwer.

01:01:06: Und wenn du ... Natürlich kannst du enttäuscht werden, wenn du was Positives erwartest.

01:01:13: Aber es fühlt sich freier an.

01:01:17: Das Leben ist leichter, wenn Du mit einem Lächeln durchs Leben gehst.

01:01:21: Das fühlt mich leichter an!

01:01:23: Hat sich das in den thirty-fünf Jahren durch die Insel verändert?

01:01:26: Oder vielleicht sogar wegen der Insel?

01:01:28: oder wie war das vorher?

01:01:32: Also... Es gab Zeiten, wo ich das eher ein bisschen verlernt hatte.

01:01:39: Aber die Insel hat's mir wieder zurückgegeben.

01:01:47: Ich glaube, dass Leben hier ... Wenn du auf das Meer schaust, auf die Wellen und auf das Glitzern ... Du siehst die Sonnenuntergänge?

01:02:00: Ich hab drei Millionen Fotos von Sonnenuntergängen!

01:02:06: Das hält ein, glaube ich, Jünger und Wacher das Leben hier auf der Insel.

01:02:11: Weil du so dicht an der Natur bist ... Und das Meer macht auch was mit deinem Kopf.

01:02:16: Mhm.

01:02:17: Es macht was mit deiner Seele?

01:02:20: Was macht das mit dem Kopf von deiner seele?

01:02:25: Also es gibt natürlich Tage, wo's mir nicht gut geht.

01:02:28: Dann laufe ich los am Strand und schau auf das Meer.

01:02:32: Ich kann durchatmen, hab so'n Freiheitsgefühl.

01:02:37: Und dann gehts mehr besser!

01:02:39: Ich kann da Dinge loslassen.

01:02:41: Das macht die Insel und das ist ja auch das, was man von Gästen immer wieder hört.

01:02:45: Wir kommen hier auf die Insell und können zur Ruhe kommen.

01:02:48: Wir können durchatmen.

01:02:53: Ist es auch das?

01:02:54: Wenn du jetzt sagst ... Oder wenn du dir die Frage stellen würdest, wofür möchte ich in Erinnerung bleiben?

01:03:00: Ist es das Lächeln oder was ist es?

01:03:03: Wofür möchtest du am Ende des Tages bei anderen im Kopf bleiben?

01:03:10: Dass ich den ... Menschen vor mir sehe, und dass ich allen erst mal mit Unvorgennommenheit begegne.

01:03:19: Ja?

01:03:20: Ich glaube für mein ... Und auch für meinen Strahlen ja!

01:03:23: Also das ist mir wichtig.

01:03:25: Aber das kann man ja nicht zu hundert Prozent erzeugen.

01:03:28: Das steckt einfacher in mir.

01:03:31: Ich bin so ein Mensch.

01:03:33: Dass nach außen strahlen noch innen straheln?

01:03:35: Genau.

01:03:37: Das ist doch ein schöner Schlussmoment, finde ich.

01:03:40: Was hat wirklich Spaß gemacht?

01:03:43: Ich freu mich, dass du dabei gewesen bist in der ersten Folge.

01:03:46: Ja ich hab so was auch noch nie gemacht war sehr aufregend.

01:03:50: Aber ich habe mich wohl gefühlt.

01:03:51: Das ist sehr schön!

01:03:54: Ich freue mich wie gesagt das du da warst.

01:03:55: es war wirklich mal interessant da auch rein zu blicken.

01:04:02: Man sieht ein Mensch von außen.

01:04:03: wir hatten uns ja gerade davon man sieht den Strahlen aber irgendwie hat der Mensch hier auch eine Geschichte und seine täglichen kleinen Kämpfe wie wir alle und die mögen auf der Insel andere Kämpfer sein wie in Bremen oder in anderen Großstädten, im Ausland und wo auch immer.

01:04:17: Es ist interessant bei dir zu sehen, dass diese kleinen Kämpfe sich gar nicht so unterscheiden zwischen dem persönlichen und politischen Wirken?

01:04:28: Ja, das stimmt.

01:04:29: Das verschwindet wahrscheinlich bei dir schon ziemlich.

01:04:31: Richtig!

01:04:33: Sehr schön.

01:04:33: Dann wünsche ich dir jetzt noch einen richtig schönen sonnigen Tag.

01:04:36: Danke schön.

01:04:37: Und ... das war die erste Folge von TIDEN.

01:04:42: Ich bin sehr überrascht, dass das so gut geklappt hat.

01:04:45: Und ich freue mich dann auf den nächsten Gast, der schon in Planung ist ein Mensch, der etwas ganz Besonderes auf der Insel tut, dass wir alle schon probieren durften.

01:04:53: dem Letzt

01:04:54: und

01:04:55: mehr dazu gibt es dann in der nächsten Frage Team.

01:04:57: Melli danke dir!

01:04:59: Bis zum nächsten Mal, tschüss!

01:05:01: Ja vielen Dank, dass du heute dabei warst und die Zeit für diese Geschichte genommen hast.

01:05:06: Ich hoffe, du konntest den Menschen hinter dieser Folge ein Stück besser kennenlernen und vielleicht auch den einen oder anderen Gedanken mit auf deinen eigenen Weg nehmen.

01:05:15: Wenn dir diese Episode gefallen hat freue ich mich sehr wenn du Tiden abonnierst eine Bewertung da lässt oder den Podcast einfach mit Menschen teilst die das Inselleben genauso spannend finden wie wir.

01:05:26: Hast Du doch jemandem im Kopf dessen Geschichte unbedingt erzählt werden sollte?

01:05:30: Dann schreib mir doch gerne einfach Hören wir genau diese Personen schon in einen der nächsten Folgen.

01:05:36: Bis dahin wünsche ich dir eine gute Zeit, woher du gerade unterwegs bist und denke immer daran.

01:05:41: Füße in den Sand die Nase in dem Wind und die Kopfhörer auf die Wand!

01:05:45: Ich bin Sven und freue mich wenn wir uns bei der nächsten Folge von Tiden einfach wieder hören.

01:05:50: Bis Dahin machts gut.

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